Vollständiger Abstract
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Zusammenfassung Hintergrund Trotz erheblicher therapeutischer Fortschritte bestehen in Deutschland weiterhin Versorgungslücken in der Behandlung von Epilepsiepatienten, insbesondere bei therapieresistenten Verläufen. Nationale Daten deuten auf eine unzureichende Überweisungspraxis und verspätete Einbindung spezialisierter Epilepsiezentren hin. Ziel dieser Studie war es, die ambulante Versorgungssituation in Brandenburg, einem Bundesland mit in bestimmten Regionen besonders begrenztem Zugang zu neurologischer Expertise anhand aktueller Verordnungs- und Überweisungsdaten zu analysieren. Methoden Ausgewertet wurden Daten aus den IQVIA™ Disease Analyzer- und IQVIA™ Longitudinal Prescriptions(LRx)-Datenbanken (2020–2022), ergänzt durch Überweisungsstatistiken der Epilepsieklinik Tabor (Brandenburg) und Kleinwachau (Sachsen). Eingeschlossen wurden Patienten mit gesicherter Epilepsiediagnose (ICD-10: G40.0–G40.9) und mindestens der Verordnung eines Anfallssuppressivums (ASM). Primäre Endpunkte waren der Anteil von Patienten mit ≥ 3 ASMs ohne Kontakt zu einem Neurologen/Neurologin, Überweisungsraten an spezialisierte Zentren sowie der Einfluss geografischer Distanzen auf das Überweisungsverhalten. Ergebnisse Im Jahr 2022 hatten bundesweit 38 % der Patienten mit ≥ 3 ASMs keinen dokumentierten Kontakt zu einem Neurologen/Neurologin; in Brandenburg lag dieser Anteil bei 42 %. Trotz flächendeckender neurologischer Praxen wurden nur 529 Patienten in die Epilepsieklinik Tabor eingewiesen, davon 170 durch Neurologen. Die Überweisungsrate nahm mit zunehmender Entfernung zum Zentrum deutlich ab. Insgesamt hatten mehr als 60 % der Patienten mit wahrscheinlicher Pharmakoresistenz keinen Kontakt zu einem spezialisierten Epilepsiezentrum. Schlussfolgerung Die Ergebnisse weisen auf erhebliche strukturelle Defizite in der ambulanten Epilepsieversorgung in Brandenburg hin, insbesondere im Überweisungsverhalten von Allgemeinärzten zu Neurologen und Neurologen an Spezialeinrichtungen. Eine konsequentere Umsetzung leitliniengerechter Überweisungsempfehlungen, verbesserte Informationswege und die Reduktion geografischer Barrieren sind erforderlich, um Patienten mit pharmakoresistenter Epilepsie frühzeitig adäquat zu versorgen und die Ressourcenbelastung des Gesundheitssystems zu verringern.
Bibliografischer Nachweis
Publikationsdaten
- Autor:innen
- Sergio R. Pérez Rosal, Sonya C. Faber, Nils G. Margraf, Adam Strzelczyk, Andreas Schulze-Bonhage, Hans-Beatus Straub, Benedikt Greshake
- Quelle
- Clinical Epileptology
- Publikation
- 2026-01-01
- Band / Ausgabe
- Nicht angegeben
- Seiten
- Nicht angegeben
- ISSN / ISBN
- 2948-104X, 2948-1058
- Zitationen
- 0 laut Crossref
- Referenzen
- 0 hinterlegt
Zitieren
Zitierfähiger Nachweis
Sergio R. Pérez Rosal, Sonya C. Faber, Nils G. Margraf, Adam Strzelczyk, Andreas Schulze-Bonhage, Hans-Beatus Straub, Benedikt Greshake (2026). Strukturelle Barrieren in der Epilepsieversorgung. Clinical Epileptology. https://doi.org/10.1007/s10309-026-00867-4
Kontext
Themen, Förderung und Nutzung
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